Faire Geschäfte oder leere Versprechen?

Greenwashing und die Folgen im Globalen Süden

Stellt ein Unternehmen fest, dass für seine Produkte irgendwo die Umwelt im Globalen Süden leidet oder Menschenrechte verletzt werden, gibt es zwei Wege damit umzugehen: die Probleme abstellen und öffentlich darüber reden – das ist eine hilfreiche Orientierung für den Einkaufskorb. Oder die Probleme lassen, wo sie sind, und nur das Reden darüber grün färben. Für Letzteres gibt es einen Namen: Greenwashing. Im Folgenden nähern wir uns dem Thema und sehen uns die Bereiche Kleidung, Verpackung, CO₂-Kompensation näher an. Wesentlich erarbeitet wurden die Inhalte von Studierenden des Masterstudiengangs "Interdisziplinäres Nachhaltigkeitsmanagement" (INA, M.Sc.) an der Hochschule Bremen, unter der Leitung von Prof. Dr. Beate Zimpelmann und Dr. Shazia Wülbers.

Grün, grün, grün...

Greenwashing in der Kleidungsindustrie

90 % der Kleidungsproduktion findet im Globalen Süden statt – dieser trägt damit eine große Last der ökologischen und sozialen Kosten der Fast-Fashion-Industrie. 

Im Hinblick auf die soziale Dimension leiden viele Beschäftigte unter niedrigen Löhnen, schlechten Arbeitsbedingungen sowie eingeschränkten Gewerkschafts- und Arbeitnehmer:innenrechten. Besonders Frauen sind häufig von Diskriminierung und sexueller Belästigung betroffen. Zudem besteht in Teilen der Baumwollproduktion weiterhin Kinderarbeit.

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Ökologische Folgen entstehen in der Textilindustrie durch einen hohen Wasserverbrauch, den Einsatz von Chemikalien und Pestiziden sowie der Freisetzung von Mikroplastik. Dadurch werden Böden, Gewässer und die Gesundheit der lokalen Bevölkerung belastet. Zusätzlich führt der Export von Altkleidern aus dem Globalen Norden in den Globalen Süden zu Umweltproblemen und erschwert den Aufbau lokaler Textilindustrien. Insgesamt trägt der Globale Süden die sozialen und ökologischen Folgen der Modeindustrie, während die wirtschaftlichen Gewinne überwiegend im Globalen Norden verbleiben.

Trotzdem gibt es zahlreiche Nachhaltigkeitssiegel im Textilbereich, die Verbraucher:innen zeigen sollen, welche Kleidungsstücke weniger problematisch sind. Wir haben mit Viola Wohlgemuth gesprochen, Textilexpertin der Deutschen Umwelthilfe, und sie gefragt, was Verbraucher:innen über Textilsiegel wissen sollten:

Politische Ansätze für nachhaltigere Kleidung

Angesichts globaler Lieferketten in der Textilindustrie kommt inter- und supranationalen Übereinkünften eine wichtige Rolle zu. Wesentlich ist die 'Sustainability and Circular Textile Strategy' der EU, aber auch die Gesetzgebung zur Lieferkettentransparenz ist sehr wichtig für den Kleidungssektor.

Hier ein Überblick über verschiedene politische Ansätze für nachhaltigere Kleidung, die sich auf verschiedene Probleme der Branche beziehen:

Ecodesign fördern
Mit der ESPR (Ecodesign-Verordnung) setzt die EU Standards für Langlebigkeit, Reparatur und Recycling. Ein zentrales Element ist der digitale Produktpass, der Transparenz über die enthaltenen Materialien, deren Herkunft und Recyclingfähigkeit herstellt.
Greenwashing stoppen
Die EmpCo (Empowering Consumers Directive) bekämpft irreführende Nachhaltigkeitsversprechen auf Produkten.
Abfall regulieren
Die Waste Framework Directive und Extended Producer Responsibility (EPR) zwingen Hersteller, für Sammeln, Sortieren und Recycling ihrer Altkleider zu zahlen. Die Waste Shipment Regulation stoppt illegale Abfallexporte und fördert echte Kreislaufwirtschaft.
Zu Lieferketten-Transparenz verpflichten
Die CSDDD (europäische Lieferkettenrichtlinie) verpflichtet Unternehmen, Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden in ihren Lieferketten zu verhindern – unterstützt von UN- und OECD-Leitlinien.

Gesellschaftlicher Wandel für eine nachhaltige Textilwirtschaft

Neben gesetzlichen Vorgaben ist auch ein gesellschaftlicher Wandel notwendig, da nachhaltige Veränderungen nur durch veränderten Konsum und Produktion erreicht werden können. Wir haben Viola Wohlgemuth gefragt: Wie könnte dieser Wandel konkret aussehen?

Verpackung und Verantwortung

Über Plastik, Recycling und Mehrweglösungen

Plastik ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken und tief in unseren Versorgungsstrukturen verankert. Doch es bringt zahlreiche Probleme mit sich, denn was in Europa im gelben Sack landet, verschwindet nicht. Es wird „irgendwo anders" zum Problem. Bis zu 13 % unseres Verpackungsmülls in Deutschland landet in den Ländern des Globalen Südens, wo die Infrastruktur zur Aufbereitung fehlt. Das bedeutet Verbrennung unter freiem Himmel, Flüsse, die als Deponien dienen, Mikroplastik in Fischen, im Grundwasser, in Böden – die Sachlage dazu ist hinlänglich bekannt.

Diese Probleme anzugehen ist eine Frage der Verantwortung. Die beginnt nicht am Containerhafen in Jakarta. Sie beginnt im Supermarkt, auf dem Küchentisch, beim Griff zur Verpackung – und vor allem in der Gesetzgebung.  

Immernoch landet viel Plastik, zu einem großen Teil aus Verpackungen, im Globalen Süden - auf Deponien, in der Natur, in Dörfern

Was können Verbraucher:innen tun?

Die beste Möglichkeit im Kampf gegen Plastik ist, es gar nicht erst zu verbrauchen. Reduce heißt dieses Prinzip und lässt sich gut im Alltag umsetzen:

"Was ich Verbraucher:innen raten kann: Wenn ihr die Möglichkeit habt, irgendwas in Mehrwegverpackungen zu kaufen, tut es."
Philip Heldt
Referent für Ressourcenschutz, Verbraucherzentrale NRW

Plastik – eine Frage des Recyclings?

Umweltbezogene Werbeaussagen (Green Claims) sollen Verbraucher:innen bei nachhaltigen Kaufentscheidungen helfen. Aber was versprechen sie tatsächlich?

Recyclebar...

Recyclebar...

…ist Greenwashing. Laut EU-Verpackungsverordnung müssen Verpackungen grundsätzlich recyclingfähig sein. Wer damit wirbt, verkauft eine Mindestanforderung als Besonderheit.

Bio-Plastik...

Bio-Plastik...

…ist eine Scheinlösung. Es baut sich kaum schneller ab als herkömmliches Plastik. Zudem fehlt ein eigener Recyclingprozess und im gelben Sack verunreinigt es andere Plastiksorten – am Ende wird es aussortiert und verbrannt.

50% recycelt...

50% recycelt...

…ist grundsätzlich positiv, wenn für die Herstellung der Plastikverpackung Abfälle aus dem gelben Sack verwendet werden. Oft steckt aber günstigeres, sortenreines Industrie-Rezyklat dahinter - keine recycelten Einwegverpackungen. Für Verbraucher:innen am Ende kaum unterscheidbar.

"In vagen Aussagen wie 'recyclebar' steckt Greenwashing-Potential. Genau deswegen ist es gut, dass die EmpCo in Kraft tritt und die Hersteller zwingt, deutlichere Aussagen zu treffen."
Philip Heldt
Referent für Ressourcenschutz, Verbraucherzentrale NRW

Zu 100 % recyclebar?

Ist Plastik recycelbar? Ja! Allerdings müssen Verpackungen dafür streng nach Plastiksorten getrennt werden und frei von Verunreinigungen wie Essensresten oder Etiketten sein. Das ist in der Praxis sehr aufwändig und erfordert ein Design für Recyclebarkeit von Anfang an.

Rezyklat… ist ein wiederaufbereiteter Kunststoff aus altem Plastik – er fließt, oft gemischt mit „frischem" Plastik, in neue Verpackungen. Bekanntestes Beispiel: PET-Flaschen.

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Alles nur heiße Luft? 

CO₂-Kompensation und Landnahme im Globalen Süden

Wer ein Produkt herstellt, eine Reise anbietet oder Dienstleistungen erbringt, verursacht dabei Treibhausgase. Bei der CO₂-Kompensation werden diese Emissionen zunächst berechnet: zum Beispiel für einen Flug, ein Unternehmen, eine Veranstaltung oder ein bestimmtes Produkt. Anschließend wird versucht, diese Emissionen an anderer Stelle rechnerisch auszugleichen. Das Umweltbundesamt beschreibt Kompensation als Ausgleich verbleibender Emissionen über sogenannte Emissionsminderungsgutschriften, meist Zertifikate genannt.

Wie funktioniert die CO₂-Kompensation?

Die Grundidee: Für das Klima ist es zunächst nicht entscheidend, wo Treibhausgase ausgestoßen oder eingespart werden. Deshalb können Emissionen, die etwa in Europa entstehen, theoretisch durch ein Klimaschutzprojekt an einem anderen Ort ausgeglichen werden. Solche Projekte können zum Beispiel erneuerbare Energien fördern, Moore schützen, effizientere Kochöfen finanzieren, Bäume pflanzen oder Waldzerstörung verhindern. Aus diesen Projekten entstehen CO₂-Zertifikate, auch Carbon Credits genannt. Ein Zertifikat steht in der Regel für eine bestimmte Menge eingesparter oder gebundener Treibhausgase. Häufig entspricht ein Carbon Credit einer Tonne CO₂-Äquivalent.

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Emissionsrechte für Konzerne

Unternehmen, Organisationen oder Privatpersonen können solche Zertifikate kaufen und damit darstellen, einen Teil ihrer eigenen Emissionen ausgeglichen zu haben. So entsteht ein Markt: Auf der einen Seite stehen Unternehmen, die weiter Emissionen verursachen, aber ihr Klimaimage verbessern oder „klimaneutral“ erscheinen möchten. Auf der anderen Seite stehen Projektentwickler, Zwischenhändler und Anbieter von Zertifikaten, die Klimaschutzprojekte in handelbare Einheiten übersetzen. CO₂ wird dadurch zu einer Art Ware: Es wird berechnet, zertifiziert, verkauft und in Klimabilanzen eingerechnet.

Auf dem Papier werden CO₂-Emissionen so ausgeglichen. Genau an diesem Punkt beginnt die Kritik: Aus realen Emissionen wird eine Rechenoperation und aus Natur, Land und Menschen wird ein handelbares Produkt.

Kritik an der Idee der CO₂-Kompensation

Wir haben mit Kathrin Hartmann gesprochen, Journalistin und Autorin, die sich für ihr letztes Buch intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat und u.a. Kompensationsprojekte im Globalen Süden besucht hat. Wir haben sie nach ihrer Perspektive auf Emissionskompensation gefragt:

Kritiker:innen sehen in der CO₂-Kompensation kein echtes Klimaschutzinstrument, sondern ein System, das es Unternehmen, Staaten oder Privatpersonen erlaubt, eigene Emissionen weiter zu verursachen und sich gleichzeitig moralisch zu entlasten. Häufig geschieht das über Waldschutz- oder Aufforstungsprojekte im Globalen Süden. Auf dem Papier entsteht dadurch der Eindruck, Emissionen seien neutralisiert worden. Tatsächlich bleiben die ursprünglichen Emissionen aber bestehen – und die versprochene Kompensation ist alles andere als garantiert.

Die Rede ist daher auch von einer modernen Form des „Ablasshandels“. Gemeint ist: Wer zahlt, darf weiter verschmutzen. Statt Treibhausgase direkt zu vermeiden oder zu reduzieren, wird Verantwortung ausgelagert. Unternehmen können Zertifikate kaufen und sich anschließend als klimaneutral darstellen, obwohl sich an ihrem eigentlichen Geschäftsmodell oft wenig ändert.

Besonders problematisch ist das z.B. bei großen Öl- und Gaskonzernen. Sie nutzen CO₂-Zertifikate, um ihre Klimabilanz zu verbessern und ein grüneres Image zu erzeugen. Gleichzeitig wird die Förderung fossiler Energieträger weitergeführt oder sogar ausgebaut. Kompensation dient dann weniger dem Klimaschutz, sondern vor allem dem Greenwashing: klimaschädliches Handeln wird durch Zertifikate scheinbar ausgeglichen und dadurch gesellschaftlich akzeptabler gemacht.

Projekte mit Risiken und Nebenwirkungen

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Projekte selbst. Viele Waldschutz- und Aufforstungsprojekte finden im Globalen Süden statt. Dort können sie zu Konflikten um Land und Nutzungsrechte führen. Wenn Wälder plötzlich als CO₂-Speicher für internationale Märkte interessant werden, kann das die Lebensweise lokaler oder indigener Bevölkerungsgruppen einschränken. Menschen, die kaum zur Klimakrise beigetragen haben, tragen dann die Folgen von Projekten, mit denen Emissionen aus reichen Industriestaaten kompensiert werden sollen.

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Landraub durch Projekte

Hinzu kommt ein grundsätzliches methodisches Problem: Die Berechnung vieler Zertifikate beruht auf Annahmen. Bei Waldschutzprojekten wird zum Beispiel geschätzt, wie viel Wald ohne das Projekt abgeholzt worden wäre. Aus dieser hypothetischen Entwicklung wird dann berechnet, wie viel CO₂ angeblich eingespart wurde. Hier liegt eine gravierende Unsicherheit: Wenn die Ausgangsannahmen nicht stimmen, entstehen Zertifikate für Einsparungen, die möglicherweise nie real stattgefunden haben.

Die Rolle der Zertifizierungsorganisationen

Kritisch wird auch die Rolle großer Zertifizierungsorganisationen und die zunehmende Einbindung von CO₂-Zertifikaten in die internationale Klimapolitik gesehen. Die Sorge ist, dass auch die Industriestaaten notwendige Veränderungen verzögern, weil sie sich auf Kompensation verlassen. Statt Emissionen schnell und dauerhaft zu senken, wird Klimaschutz in handelbare Zertifikate übersetzt.

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Schleierhafte Gewinne

Dabei ist klar, dass wirksamer Klimaschutz darin besteht, die CO₂-Emissionen direkt zu verringern. Dazu gehören der Ausstieg aus fossilen Energien, der Schutz bestehender Wälder, eine echte Verkehrs- und Energiewende sowie nachhaltigere Formen der Landwirtschaft. CO₂-Kompensation kann nicht ersetzen, was eigentlich notwendig ist. 

Nachhaltig essen - aber wie?

Greenwashing in der Lebensmittel-Branche

Deine Milch ist „klimaneutral“, ein Gütesiegel verspricht Nachhaltigkeit und der Supermarkt um die Ecke wirbt mit seiner „Verantwortung für Mensch und Umwelt“. Für viele Verbraucher:innen sind solche Botschaften ein wichtiges Kaufargument. Doch wie umwelt- und sozialverträglich sind die Produkte wirklich?

Green Claims auf Lebensmitteln und die EmpCo-Richtlinie

Um Verbraucher*innen besser vor irreführenden Green Claims zu schützen, hat die EU mit der Richtlinie (EU) 2024/825 ("Empowering-Consumers-Directive" oder kurz: EmpCo) ihre Vorschriften gegen Greenwashing verschärft. Sie stärkt den Verbraucherschutz, indem sie unter anderem allgemeine, nicht belegte Umweltaussagen untersagt und die Nutzung von Nachhaltigkeitssiegeln ohne unabhängige Zertifizierung einschränkt. Die Umsetzung dieser neuen Regeln geschieht in Deutschland durch das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) und gilt ab dem 27. September 2026.

Klick auf die Begriffe, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt und wie sie von rechtlicher Seite her einzuordnen sind...

Diese Begriffe waren rechtlich für lange Zeit kaum geschützt. Sie suggerieren oft eine Nachhaltigkeit, die ohne konkrete Standards schwer nachprüfbar ist. Das ändert sich allerdings teils mit der EmpCo-Richtlinie (siehe unten).

Der Fokus liegt hier meist auf Kompensation statt Vermeidung. Ohne Transparenz bleibt unklar, ob das Unternehmen tatsächlich seinen CO₂-Fußabdruck reduziert hat. Auch hier trifft die EmpCo-Richtlinie neue Regelungen: Klimaneutralität, die nur durch Kompensationsgutschriften erreicht wird, darf danach auf Produkten nicht mehr als solche beworben werden.

Mangels gesetzlicher Definition kann „regional“ erstmal alles bedeuten – vom Nachbardorf bis hin zu einem riesigen Einzugsgebiet über Bundesländer hinweg. Teils entscheiden Gerichte dann im Einzelfall, ob eine Verbrauchertäuschung nach dem UWG vorliegt.

Nachhaltigkeitsziele, die in der Zukunft liegen, sind für Verbraucher:innen besonders schwer nachprüfbar - besonders wenn nicht dargelegt ist, welche konkreten Maßnahmen dafür heute schon ergriffen werden. Sie sind daher in der Tendenz greenwashing-verdächtig. Auch hier regelt die EmpCo, dass Unternehmen transparente Umsetzungspläne vorlegen können müssen, um mit zukünftigen Zielen werben zu dürfen.

Zum Thema Klimaneutralität als Green Claim im Lebensmittelbereich haben wir mit Felix Ahlers gesprochen, dem Vorstandsvorsitzenden der FROSTA AG. Hier ist seine Perspektive: 

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Klimaneutrale Lebensmittel?

Auch seine Sicht auf notwendige Vorgaben für eine transparente Zutatenkennzeichnung hat Felix Ahlers mit uns geteilt:

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Transparenz bei den Zutaten

Zwischen Überfluss und Notwendigkeit: Der Preis unseres Konsums

Wir betreten einen Supermarkt und finden alles: Erdbeeren im Winter, Avocados aus Übersee, Fleisch in scheinbar unbegrenzter Auswahl. Regale, die nie leer sind, suggerieren Sicherheit, Verfügbarkeit, Kontrolle. Und doch ist genau dieses System, das Überfluss verspricht, eines der fragilsten und widersprüchlichsten unserer Zeit.

Was uns mit Produkten versorgt, überschreitet zugleich die planetaren Belastungsgrenzen: mit 15-30 % geht ein großer Anteil der globalen Treibhausgasemissionen auf die Lebensmittelindustrie zurück. Abholzung für Futtermittel, Bodendegradation, Biodiversitätsverlust sowie die Übernutzung und Verschmutzung von Wasserressourcen verstärken ökologische Belastungen. Der intensive Düngemitteleinsatz verschiebt globale Stickstoff- und Phosphorkreisläufe. 

Gleichzeitig ist die Branche selbst besonders stark vom Klimawandel betroffen. Dürren, Überschwemmungen und Extremwetterereignisse gefährden Ernten weltweit. Die globale Vernetzung sorgt zwar für Versorgungssicherheit, macht das Ernährungssystem aber zugleich anfälliger für geopolitische Krisen, Pandemien und Lieferengpässe.

Mit Prof. Dr. Beate Zimpelmann haben wir über globale Lieferketten und weiter bestehende koloniale Strukturen gesprochen.

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Ausbeutung im Süden, Profite im Norden

...und was kann politisch dagegen getan werden?

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Regeln für Globale Lieferketten

Das heißt: Nachhaltigkeit endet nicht beim grünen Etikett auf der Verpackung. Erst wenn Umwelt- und Sozialstandards verbindlich gelten, transparent überprüfbar sind und entlang der gesamten Lieferkette eingehalten werden, können Verbraucher:innen fundierte Entscheidungen treffen. Greenwashing zeigt, wie leicht sich Nachhaltigkeit vermarkten lässt. Wirkliche Veränderung entsteht jedoch erst dann, wenn Politik, Unternehmen und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen.


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